Angewandtes Wissen aus der Hypnosetherapie in Bezug auf Kinder und Jugendliche
Inhaltsverzeichnis
- Was ist Hypnose?
- Was ist der Unterschied zwischen Kinderhypnose und Hypnose für Erwachsene?
- Unser Wirken als Erwachsene auf Kinder
- Vertrauen, Sicherheit und Verbundenheit ist stärker als die Angst
- Gefühle spiegeln und den Fokus ändern
- Das Unterbewusstsein versteht keine Negationen
Was ist Hypnose?
Um Kinderhypnose verständlich zu erklären, ist es hilfreich, sich zunächst klarzumachen, was Hypnose eigentlich ist.
Hypnose, auch als Trance oder hypnotische Trance bezeichnet, ist ein völlig natürlicher Zustand, den jeder Mensch kennt. Sie beschreibt den Zustand zwischen Wachsein und Schlaf. Jeder Mensch erlebt diesen Zustand mindestens zweimal täglich: abends, wenn wir ins Bett gehen, die Augen schließen und einschlafen, sowie morgens, wenn wir aufwachen, noch bevor wir die Augen öffnen. Trance ist somit ein alltäglicher und natürlicher Zustand.
Unser Gehirn produziert verschiedene Wellenmuster, die je nach Aktivität variieren. Im Wachzustand dominieren Beta Wellen, eine recht hohe Frequenz zwischen 14-30 Hz. Sobald wir die Augen schliessen und uns geistig entspannen, produziert unser Gehirn vorwiegend viele Alpha Wellen (9-13 Hz). Wird diese Entspannung vertieft, treten vorwiegend viele Theta Wellen (4-8 Hz), dies entspricht einer mitteltiefen Trance. Wird diese Entspannung noch mehr vertieft, produziert unser Gehirn auffallend viele Delta Wellen (0.5-3 Hz). Dies entspricht einer tiefer Trance. Diese Veränderungen lassen sich mittels EEG (Elektroenzephalogramm) präzise messen.

Während meiner Ausbildung zur Hypnosetherapeutin führten wir EEG-Messungen durch. Dabei konnten wir deutlich beobachten, wie sich die Frequenzen verändern, wenn eine Person in Hypnose versetzt wird, sich in leichter, mittel-tiefer und tiefer Trance befindet und schließlich wieder in den Wachzustand zurückkehrt und die Augen öffnet.
Was ist der Unterschied zwischen Kinderhypnose und Hypnose für Erwachsenen?
Kinder, insbesondere Kleinkinder, weissen von Natur aus tiefere Frequenzen auf. Sehr kleine Kinder, wie etwa Babys, weisen im Wachzustand vorwiegend viele tiefe Frequenzen auf (Delta Wellen), vergleichbar mit den niedrigen Frequenzen, die wir in einer sehr tiefen Trance erleben. Mit zunehmendem Alter steigen die Frequenzen bei Kindern und Jugendlichen an und erreichen in der Adoleszenz oder spätestens im Erwachsenenalter die typischen Beta Wellen im Wachzustand. Je älter / reifer das Kind wird, desto höher die Frequenzen im Wachzustand.
Was bedeutet das konkret? Wir wissen, dass Erwachsene hoch suggestibel sind, wenn sie sich in hypnotischer Trance befinden und diese tiefen Frequenzen aufweisen. Kinder sind grundsätzlich hoch suggestibel. Es heißt nicht umsonst, Kinder saugen wie Schwämme alles auf. Meine Tochter wächst zweisprachig auf, und es ist wunderschön zu beobachten, wie viel sie bereits weiss und wie schnell sie lernt.
Kinder sind hoch suggestibel und empfänglich, ähnlich wie Erwachsene in hypnotischer Trance.
Daher ist es von besonderer Bedeutung, achtsam mit Kindern zu kommunizieren. Sie sollten vermehrt positive Worte und Sätze hören, da alles, was sie aufnehmen, im Unterbewusstsein verankert und gespeichert wird.
Umso wichtiger ist es, ihr Unterbewusstsein mit positiven Worten zu füllen.
Ich finde es eine wertvolle Erkenntnis zu verstehen, wie wir auf Kinder wirken und was wir als Erwachsene – Eltern, Großeltern, Betreuer, Lehrer, Bezugspersonen, etc. – tun können.
Wenn wir verstehen, welchen Einflusses wir Erwachsene auf das Unterbewusstsein von Kinder mit unserer Sprache haben, können wir ihnen im Kindesalter mit positiven Worte und Sätzen enorm viel mitgeben.
Wer weiss, möglicherweise entwickelt das Kind daraus einen positiven Glaubenssatz, auf den es sein Leben lang zurückgreifen kann.
Unser Wirken als Erwachsene auf Kinder
Mit dem Wissen um die hohe Suggestibilität von Kindern und dem Bewusstsein für die Wirkung unserer positiven Worte stellt sich dennoch die Frage, wie wir dies im Alltag umsetzen können. Es ist oft nicht einfach, diese Erkenntnisse in den täglichen Ablauf zu integrieren. Ich habe mich lange mit dieser Frage beschäftigt und bin zu einer klaren Schlussfolgerung gekommen:
Meine Eltern sind in vielerlei Hinsicht mein größtes Vorbild, und somit bin ich das größte Vorbild für meine Tochter.
Viele meiner Glaubenssätze entstanden durch sie und anderen Bezugspersonen, die ich in meiner Kindheit hatte. Mir ist bewusst, wie sehr meine Sprache und mein Verhalten meine Tochter beeinflussen und prägen, sowohl positiv als auch negativ.
Aus diesem Grund ist es für mich entscheidend, an mir selbst zu arbeiten und den Fokus stets auf das Positive zu verlagern. Ich möchte an meiner eigenen Sicherheit, meinem Vertrauen, meinem Selbstbewusstsein und meiner inneren Stärke arbeiten, um diese Qualitäten auch meiner Tochter vermitteln zu können. Denn es ist klar, dass sie vieles von mir übernehmen wird.
Was können wir also als Erwachsene im Alltag tun? Wir können bewusst hinterfragen, was wir sagen und warum wir dies sagen. Selbstreflexion ist dabei essenziell, ebenso wie ein achtsamer und liebevoller Umgang mit uns selbst. Auf diese Weise können wir unsere eigenen Glaubenssätze erkennen und hinterfragen. Ich habe auf diesem Weg bereits viele unbewusste und unerwünschte Glaubenssätze bei mir identifizieren können.
Bei Kindern, die aufgrund ihres Alters natürlich noch weniger Lebenserfahrungen und Prägungen haben, können in der Hypnosetherapie oft auf einfache Weise positive Erfolge erzielt werden.
Kinderhypnose ist etwas Wunderschönes. Es kann nur stärkend wirken, wenn der Fokus auf dem Positiven liegt.
Der Gegenspieler der Angst ist Sicherheit, Vertrauen und Verbundenheit
Wenn Kinder auf die Welt kommen, heisst es oft, dass Kinder weniger Ängste haben als wir Erwachsene. Doch wie entstehen Ängste? Häufig übertragen wir ihnen unsere eigenen Ängste.
Vor einigen Jahren startet ich eine Video-Challenge in den sozialen Medien. Gleichzeitig las ich ein Buch, das mich zu dieser Challenge inspirierte: „Lass sie doch reden. Wie dir egal wird, was andere von dir denken.“ von Gabriel Palacios.
In diesem Buch wird beschrieben, dass der Mensch im Grunde eine Urangst hat: Es ist nicht die Angst vor dem Tod, sondern die Angst, nicht verbunden zu sein. Der Autor beschreibt drei Grundängste: Erstens die Angst, nicht gut genug zu sein, zweitens die Angst, alleine zu sein und nicht dazuzugehören, was viele während der Pandemie erlebt haben, und drittens die Angst, die Kontrolle zu verlieren, eine aktuelle Herausforderung in unserer Welt. Es wird angenommen, dass diese Grundängste in jedem von uns auf eine Art präsent sind. Auch wird beschrieben, dass das Gegenteil der Angst Vertrauen und Verbundenheit ist.
Wie können wir also Vertrauen stärken, wenn wir wissen, dass es der Gegenspieler der Angst ist?
Wir stärken Vertrauen, indem wir ein Gefühl der Sicherheit entwickeln. Wenn wir uns sicher fühlen, und diese Sicherheit in dem Masse vorhanden ist, dass wir vertrauen können, fällt es uns leichter authentisch zu sein, so wie wir sind.
Im Zustand eines tiefen Vertrauens und der Gewissheit der Sicherheit gibt es keinen Raum für Angst.
Wenn wir unsere Kinder stärken möchten, können wir uns auf Vertrauen und Sicherheit konzentrieren. Dies erreichen wir, indem wir diese Gefühle in uns selbst kultivieren und stärken. Wenn wir selbst in einem Zustand der Ruhe, des Vertrauens, der Sicherheit und Selbstsicherheit sind und uns mit uns selbst gut und verbunden fühlen, erleben wir positivere Gefühle und eine Ausgeglichenheit, was sich unmittelbar auch auf unsere Kinder und unsere Umgebung auswirkt.
Es ist eine persönliche Entscheidung, die jeder täglich treffen kann: Fokussiere ich mich auf das Positive? Vertraue ich oder lasse ich mich von Ängsten leiten?
Mit Hypnosetherapie kann man unerwünschte Gefühle transformieren und positiv stärken, wie etwa die Sicherheit, Vertrauen und Verbundenheit.
Gefühle spiegeln und den Fokus verändern
Das Unterbewusstsein spricht die Sprache der Vorstellungen und Gefühle, was wir gezielt in der Hypnosetherapie nutzen. Durch das Schließen der Augen und mittels einer gezielten Anleitung durch meine Stimme wird sich deine Entspannung vertiefen. Im Zustand der Entspannung werden positive Vorstellungen und Gefühle verstärkt und miteinander verknüpft.
Im Alltag können Gefühle jedoch überwältigend sein. Bei Kindern lässt sich dieses Phänomen sehr leicht beobachten, da sie ihre Gefühle oft offen zeigen.
Auch bei Erwachsenen gibt es diese intensiven Gefühle, allerdings zeigen sie diese nicht mehr so offensichtlich. Sie offenbaren ihre Gefühle eher im privaten Umfeld oder behalten sie für sich. All diese unerwünschten emotionalen Zustände können durch Hypnosetherapie verändert werden, sowohl bei Erwachsenen als auch bei Kindern.
In Bezug auf Gefühle habe ich in Erziehungskursen gelernt, Kindern ihre Gefühle möglichst präzise zu spiegeln, indem man sie verbalisiert. Wenn ein Kind zum Beispiel Wut empfindet, zeigt man Verständnis und benennt die Emotion: „Ja, ich sehe, dass du gerade wütend bist.“
Aus meiner Tätigkeit als Hypnosetherapeutin und als Mutter wird mir immer klarer, dass es nicht nur darum geht, Gefühle zu spiegeln, sondern auch darum, ihnen zu helfen den Fokus wieder auf das positive Aspekte zu lenken.
Wie können wir Kinder dabei unterstützen zu lernen, aus unerwünschten Gefühlen herauskommen? Indem wir ihnen ein Gefühl der Sicherheit vermitteln und den Fokus auf Vertrauen legen. Wenn wir selbst Ruhe, Sicherheit und Vertrauen ausstrahlen, überträgt sich das auf sie. In Momenten von Unruhe oder Nervosität können wir versuchen, unseren inneren Fokus auf Ruhe, Vertrauen und Sicherheit zu lenken, um diese positiven Gefühle auch bei unseren Kindern zu stärken.
Herausfordernd im Alltag. Keine Fragen. Aber möglich mit Hypnose.
Das Unterbewusstsein versteht keine Negationen
Das Unterbewusstsein versteht das Wort „NICHT“ nicht. Grund ist, und das ist auch das Verständnis aus der modernen Hirnforschung, dass sich unsere Neuronen insbesondere durch bildhafte Vorstellungen verknüpfen. Wir alle sind Vorstellungswesen. Das bedeutet, dass durch wiederholte Vorstellung bestimmter Dinge neue Nervenbahnen in unserem Gehirn entstehen. Wir lernen nicht nur auditiv (durch Hören) oder taktil (durch Fühlen), sondern auch visuell durch innere Bilder und Vorstellungen. Was ich mir geistig vorstelle, ist für mein Unterbewusstsein präsent und wahr.
Wenn ich zu meinem Kind sage: „Fass NICHT die heiße Herdplatte an“, versteht das Unterbewusstsein des Kindes: „Fass die heiße Herdplatte an“, da es sich die Herdplatte bildlich vorstellt und das Wort „nicht“ nicht verarbeitet. Was können wir also sagen, um den Fokus von der heißen Herdplatte wegzulenken? Wir könnten beispielsweise sagen: „Halte einen Sicherheitsabstand von der Herdplatte, denn sie ist heiß und kann weh tun.“ Dadurch liegt der Fokus wo ganz anders, hoffentlich auf dem Sicherheitsabstand.
Ein weiterer Klassiker: „Es gibt keine Monster.“ Wenn es irgendwo raschelt und unheimlich ist und mein Kind Angst hat und sagt, dass dort ein Monster sein könnte, neigen wir Erwachsene dazu zu sagen: „Es gibt keine Monster.“ Wenn ich sage: „Es gibt keine Monster“, versteht das Unterbewusstsein des Kindes: „Es gibt Monster“, da es sich ein Monster vorstellt. Was also könnten wir stattdessen sagen? Wir könnten die aus unserer Sicht „unbegründete Angst“ ernst nehmen und dem Kind helfen den Fokus zu verändern. Wir könnten beispielsweise sagen: „Das was da so raschelt ist vielleicht eine Mama Maus, die gerade ihr Baby Mäuschen sucht“. Und sofort ist die Aufmerksamkeit bei einer positiven Vorstellung. Das Kind stellt sich die süssen Mäuschen vor und hat folglich auch eher positive Gefühle wie Leichtigkeit, Freude, Gelassenheit.
So können wir stets aufs Neue entscheiden und dem Kind helfen, den Fokus auf etwas Positives zu richten.